UNTER MOTOR KURS AUF NORDWEST

 

Unter Motor Kurs AUF Nordwest

Stavanger (58°58,30´N, 05°43,70´E)

Die Sonne lacht. Es ist winterlich kalt. Es ist ein wunderschöner Tag! Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Schinken, Ei und Marmeladenreserven aus Hamburg werfen wir die Leinen los und tuckern langsam aus der kleinen pittoresken Hafenbucht. Kirkehamn – du bist absolut einen Besuch wert! Wir hätten es hier länger ausgehalten und bedauern immer noch, dass das Restaurant geschlossen war.

Kirche Kirkehamm im Morgenlicht

Mit einem letzten Blick auf die im strahlenden Morgenlicht die Hafeneinfahrt dominierende Kirche verlassen wir die Bucht und nehmen Kurs Nordwest nach Stavanger.

Die nächsten Tage sollen erneut eine deutliche Wetterverschlechterung mit reichlich Wind aus Nordnordwest und Regen bringen. So wollen wir das kurzfristig gute Wetter nach dem Durchzug der Front nutzen und die 80 Seemeilen bis Stavanger durchlaufen. Bei Starkwind ist dieses Seegebiet ziemlich ungemütlich. Heute aber ist der Wind mit 2 Knoten leider selbst für unsere 260 qm Segelfläche zu gering zum Segeln. Das bedeutet, wir legen die Strecke unter Motor zurück. Dafür beschert uns die sanfte Brise aber eine fast frühlingshaft milde Luft in der Sonne. Die dicken Seglerjacken dürfen einem einfachen Pullover weichen. Auch schön! Wir laufen die hier wenig gegliederte Küste entlang und freuen uns an der baulichen Vielfalt der Leuchttürme.

Helikopter kündigen die Ölhauptstadt an

Je näher wir der viertgrößten Stadt Norwegens kommen, desto häufiger fallen uns große Hubschrauber auf. Stavanger ist die Ölhauptstadt des Landes. Hier hat vor gut 40 Jahren der märchenhafte Aufstieg Norwegens begonnen: Von einem Land, das überreich an Natur und Meer ist, aber arm an Wirtschaftskraft war. Regelmäßig fliegen die wechselnden Arbeitsbesatzungen per Hubschraubershuttle von Stavanger zu den zahlreichen Ölplattformen in der nördlichen Nordsee.

Sechs Stunden später, vor dem Einlaufen in den Byfjorden, an dem die Stadt liegt, kündigen wir uns wie vorgeschrieben per Funk beim „Marine traffic center Stavanger“ an und bitten um Erlaubnis, in das Fahrwasser einlaufen zu dürfen. Wir erhalten die Freigabe problemlos und sehr freundlich. Das ist nicht selbstverständlich. Wenn die riesigen Ölplattformen aus den Werften geschleppt werden, kann die Einfahrt auch mal längere Zeit teilweise oder sogar komplett gesperrt sein. Stavanger hat mehrere Yachthäfen. Wie häufig liegen diese aber am Stadtrand bzw. auf einer benachbarten Insel. Wir aber liegen am liebsten mittendrin, im Herzen einer Stadt. Deshalb hatten wir zuvor beim Hafenamt um einen Liegeplatz gebeten. Sehr zuvorkommend und angenehm weist man uns einen Kai in Vagen zu, direkt am zentralen Fisch- und Gemüsemarkt. Wir machen längsseits fest und haben für die nächsten Tage nun unmittelbar an Steuerbord Hafenkino pur mit der Hauptpartymeile der nordischen Metropole.

Kontrastprogramm …

An Backbord auf der gegenüber liegenden Hafenpier liegt seeseitig die »MS Nieuw Statendam« der Holland Amerika Linie: 297 Meter lang, 2666 Passagiere. Dahinter – direkt am Altstadtpier – die »MSC Meraviglia«, Heimathafen in der Steueroase Valetta. Ein Kreuzfahrtgigant von 316 Metern Länge, mit 19 Decks, mehr als 4000 Passagieren sowie 1500 Crew-Mitgliedern, 12 Restaurants, 19 Bars, einer 100 Meter langen Einkaufspassage, mit bordeigenem Freizeit- und Wasserpark. Sechs Nächte pro Woche bietet das Schiff Entertainment vor 400 Gästen, z.B. Vorstellungen des Cirque du Soleil. Daneben verspricht die Webseite des Unternehmens einen Outdoor Wasserpark, der mit einem Polar Aquapark mit vier Rutschen, einem Hochseilgarten und mehreren Pools zu viel Spaß einlädt. An der Pier warten schon lange Reihen an Reisebussen, die den Passagieren für einige Stunden Norwegen zeigen werden. Danach geht´s zurück nach Kiel, eine schwefelgelbe Abgasfahne hinter sich herziehend. Reisen als Konsum aus der Retorte. Man muss es nicht mögen.

Wir sind glücklich mit der MAREVIDA reisen zu dürfen, sitzen bei Abendsonne im Cockpit und genießen das Ankommen. Immer mal wieder bleiben interessierte Passanten stehen, stellen Fragen nach dem Schiff, nach unserem Woher und Wohin. Für uns eine stets willkommene Gelegenheit, von Einheimischen etwas über die Umgebung, lohnende Ziele, Restaurants, aber auch zu profanen Dingen wie beispielsweise den nächsten Supermarkt, zu erfahren. Häufig entspannen sich daraus nette Gespräche, die auch schon mal bei uns an Bord fortgeführt werden. Und sehr oft erhalten wir wertvolle Tipps oder sogar Kontaktadressen für unsere weitere Reise.

Mitten im Leben

Es ist schon dunkel, da spricht uns von der Pier herunter ein junges Pärchen im Partnerlook freundlich an. Die Uniformen weisen sie als Vertreter des Zoll aus. Sehr höflich aber bestimmt fragen auch sie nach dem Woher und Wohin und wer alles an Bord ist. Sie möchten darüber hinaus aber auch gerne wissen, wie viele Zigaretten und Alkohol an Bord mitgeführt werden. Unsere Ausweise werden gescannt und die strengen Zollbestimmungen hinsichtlich Alkohol sind uns bekannt… (Pro Person darf man zollfrei einführen: 1 Liter Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von 22 bis 60 Prozent (z.B. Rum od. Whisky) sowie 1,5 Liter Alkoholika mit 2,5 bis 22 Prozent (Wein, etc.). Beim Bier mit einem Alkoholgehalt über 2,5 Prozent sind zwei Liter erlaubt.) Wir sind entspannt, das nette Pärchen vom Zoll bleibt es auch und wünscht uns weiterhin eine gute Reise.

Im Verlauf des Abends wird klar, wir liegen tatsächlich direkt an der Party-Meile der Stadt. Wir genießen das Schauspiel des Auftriebs und auch für uns wird es ein langer und gemütlicher Abend.

Morgen werden wir unsere Interviewreihe mit unserem ersten norwegischen Gast fortführen. Wir sind mit Gunhild, PR Managerin der Region Stavanger verabredet und hoffen, einen Einblick in ihr Leben, das der Norweger und die Veränderungen im Laufe der Zeit zu erhalten. Und natürlich werden wir sie fragen, was Glück für sie bedeutet. Wir sind gespannt und freuen uns sehr.

 

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