Arctic Circle 2019

AUFBRUCH IN DEN TANZBODEN DES TEUFELS

7. Juli 2019, Kurs Bjørnøya / Spitzbergen (77°00´1´´N, 015°33´4´´E)

Kurs Barentssee

Es ist Sonntag der 07. Juli 2019, 11:00 Uhr. In Tromsø herrscht strahlender Sonnenschein, wolkenloser Himmel, 23°C, T-Shirt Wetter. Das Hafenbecken liegt wie ein Spiegel da. Kein Lüftchen kräuselt das Wasser. Hochsommer im Norden … Wir holen die Leinen ein. Erst die Vorspring- und Heckleine, dann die Vorleinen, dampfen in die verbliebene Achterspring, bis der Bug sanft vom Steg wegdreht, nehmen schließlich auch diese Leine an Bord und haben abgelegt. Exakt um 11:10 Uhr nehmen wir Kurs auf Spitzbergen.

Unwirklich, dieses Wetter und wir sind auf dem Kurs in eines der gefährlichsten Seegebiete des Nordens. Im Seehandbuch finden sich Hinweise wie:

„even summer conditions are often accompanied by cloud, heavy fog, drizzle and poor visibility. Changes can happen quickly and with little warning at any time of the year. Keep always a sharp lookout for scattered ice floes and floating trees and fishing equipment.“

Das zu lesen macht Mut …

Seeklar für die Barentssee

Wir verstauen die schweren Fender sicher in der Achterpiek bzw. am Heck, checken noch einmal die Sicherungsleinen des Tenders (Beiboot). Natürlich haben wir zuvor die MAREVIDA seeklar gemacht. Das heißt: Alle Gegenstände an Bord sind so verstaut, dass sie auch bei kräftiger Schräglage oder harten Bewegungen in schwerem Seegang nicht zu lebensgefährlichen Wurfgeschossen unter Deck werden können oder kaputtgehen. Alle Luken sind verschlossen. Die starke Aluminiumtür zum Vorschiff wird geschlossen. Damit ist dieser Bereich des Schiffes im Falle eines Wassereinbruches im Bugbereich gesichert. Gefürchtet als Kollisionsrisiko ist bei Yachten vor allem schweres Treibgut. Sehr selten sind dies über Bord gefallene Container, häufiger an der Wasseroberfläche schlafende Wale, und – besonders unangenehm – große Baumstämme, die von der Russischen Küste aus zum Teil bis nach Grönland treiben. Im Verlauf ihrer oft jahrelangen Reise von den Flüssen Sibiriens entlang der russischen Nordmeerküsten bis in die Barentssee, sind sie so mit Wasser vollgesogen, dass sie knapp unter der Wasseroberfläche schwimmen und im Seegang kaum zu erkennen sind. Einigen von ihnen, die sog. »deadheads« schwimmen sogar senkrecht im Wasser. Wenn ein Schiff im Seegang mit dem Bugbereich auf einen solchen, tonnenschweren Stamm schlägt, können selbst größere Schiffe ernsthafte Probleme bekommen. Für Yachten bedeutet dies fast sicher den Verlust durch Untergang. Wir sind zu sechst an Bord, die Wacheinteilung erlaubt also immer zwei „Mann im Ausguck“. Je nach Tageszeit dauert eine Wache vier bzw. nachts zwei Stunden. Der Rest der Crew kann und sollte in der wachfreien Zeit schlafen und Kräfte sammeln. Das mit dem »Schlafen« ist bei 24 Stunden Tageslicht und der faszinierenden Landschaft sowie der später zu erwartenden sehr ruppigen See nicht ganz einfach. Muss aber!

Zunächst einmal haben wir noch vier bis fünf Stunden geschütztes Schärenwasser vor unserem Bug und genießen den sanften Aufbruch.

Der „Tanzboden des Teufels“

Unser erstes Ziel ist die Bäreninsel/Bjørnøya. Etwa auf halbem Weg von Tromsø nach Spitzbergen ragt diese unwirtliche Felseninsel mitten aus der Barentssee.

Südspitze der Bäreninsel

Die Durchschnittstemperatur im Juli beträgt 4,4° C. Durch ihre besondere Lage im Ausläufer des Golfstroms sowie bestimmter Wind- und Wetterverhältnisse sind die Fische der Süßwasserseen auf dem sumpfigen Hochplateau so mit Umweltgiften belastet, dass die Fische dort nicht verzehrt werden dürfen. Eine einsame unbewohnte Insel im Nordmeer und trotzdem ist die Natur voller Umweltgifte. Bjørnøya bietet keine geschützten Buchten und neben reichlich Wind ist sie im Sommer an mindestens der Hälfte aller der Tage in dichten, feuchtkalten Nebel gehüllt. Wir wollen trotzdem hin. Wenn das Wetter es erlaubt, so hoffen wir am Montag Abend nach 110 nautischen Meilen in einer Ankerbucht (Sørhamna) an der Südostküste der Insel anzulanden. Bei vorausgesagten Windgeschwindigkeiten von 28, in Böen 40 Knoten aus Ost (bis zu 8 Bft.) sowie angesagten Wellenhöhen von 4,5 Metern (mittlere Höhe), wird das aber wohl erst einmal ein ruppiger Ritt nach Norden. Zumindest in den ersten Stunden nach Verlassen des schützenden Schärengürtels dürfte die Barentssee ihrem Beinamen »Tanzboden des Teufels« alle Ehre machen. Bei dem notwendigen Amwindkurs dürften wir mit scheinbarem Wind von 40-Knoten in der Spitze rechnen. Noch erleben wir feinstes Fjordsegeln. Wie schnell das Wetter hier allerdings wechselt, haben wir aber natürlich in den vergangenen Wochen immer wieder erfahren. Die Norweger haben echt mehr Wetter an einem Tag als notwendig… Wir sind vorbereitet. Hoffen wir!

Nach unserem geplanten Ankerstopp wollen wir dann in der Nacht von Montag auf Dienstag an der Ostküste der Insel entlang nach Norden segeln, um dann an der Nordküste bei Herwigshamna zu ankern. Vorausgesetzt die Dünung an dieser offenen Küste erlaubt es. Wenn möglich möchten wir mit dem Tender anlanden und die dortige Wetter- und Radiostation (kein Rundfunk sondern Funkstation) besuchen. Sie besteht seit 1947 auf der Insel. Mit den dortigen Meteorologen haben wir im Vorwege Kontakt aufgenommen und hoffen auf spannende Geschichten von der einsamen Nebelinsel. Mit Eisbären müssen wir hier sehr wahrscheinlich noch nicht rechnen. Durch die Erderwärmung reichen die winterlichen Packeisfelder meist nicht mehr bis zur Insel. Der letzte tödliche Angriff eines Stationsmitarbeiters kam in den 1970ern vor.

Treibeis und kalbende Gletscher

Dienstag Nachmittag soll es dann mit Kurs auf den Hornsund an der Südwestspitze Spitzbergens ankerauf gehen. Nach ca. 500 Nautischen Meilen ab Tromsø hoffen wir am Mittwoch Morgen einen geschützten Ankerplatz zu finden. Vermutlich werden wir schon 100 nm südlicher – am Südkap Spitzbergens – den ersten kleinen Eisschollenfelder begegnen. Im Hornsund kommt dann zu den Drifteisfeldern aus aufgebrochenem Packeis verstärkt Eis von den kalbenden Gletschern hinzu. Auch dort sind wir bereits verabredet. Die Mitarbeiter der polnischen Forschungsstation in der Bucht Isbjørnhamna (kein Hafen, den gibt´s ausschließlich in der „Hauptstadt“ Svalbard) sind bereit, uns zu empfangen und über ihr Forschungsgebiet zu berichten: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gletscher des Svarlbard Archipels. Nach einem Tag „Gletscherrunde“ durch den Fjord (er gilt als der schönste ganz Spitzbergens) möchten wir am Donnerstag Abend in Longyearbyen, der Hauptstadt Spitzbergen, festmachen. Wir hoffen, dass alles klappt und wir gesund, ohne Schäden an Mensch und Schiff und gut gelaunt nach fünf Tagen dann wieder richtig durchschlafen können.

Dann, aber auch erst dann und nur dort werden wir wieder ein Mobilnetz haben und uns mit einem Bericht, ob unser Plan aufgegangen ist, hier auf dem Blog melden können.

Ahoi

DER COUNTDOWN LÄUFT. KURZ VOR DEM START INS EISMEER IN TROMSØ

6. Juli 2019, Tromsø (69°39´1´´N, 018°57´41´´E)

Der Countdown läuft.

Nach erneutem Wetterrouting am Morgen verschieben wir die für Mitternacht geplante Abreise um 10 Stunden auf Sonntagmorgen. Ein kräftiges Sturmtief schickt uns mit bis zu 8 Bft (40 Knoten) Windstärken einen rauen Gruß aus Osten. Addiert mit der Bootsgeschwindigkeit wären das 50 Knoten (scheinbarer Wind). Das muss nicht sein. Wir hoffen das Unangenehmste durch einen späteren Start zu umgehen.

Zunächst aber begrüßen wir heute Lis Lindal Jørgensen und Per Arnepage von Institute of Marine Research bei uns an Bord. Die drei Stunden unseres intensiven Gesprächs und Interviews mit den beiden sehr sympathischen Biologen sind geprägt von ihrer Sorge über die gravierenden Auswirkungen der Erderwärmung auf die verletzliche Polarregion. Themen wie neue Schifffahrtsrouten durch ehemals durch Packeis versperrte Regionen, Ausweitung des Fischfangs in zuvor unzugänglichen Gebieten und der dauernde Hunger nach weiteren Ölquellen und unterseeischen Mineralien werden erörtert. Ob auch in dieser Region die wirtschaftlichen Interessen alles andere überragen werden? Aber auch aus sehr persönlichen Fragen, was ihnen für ihr Leben am wichtigsten sei, ergibt sich eine angeregte Diskussion. Der bereichernde Austausch ist ein sehr schöner Start in den Tag.

ROALD AMUNDSEN, Polarforscher

Am Nachmittag besuchen wir das berühmte Polarmuseum, fünf Minuten Fußweg vom Schiff entfernt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Entdeckung und Besiedelung Svalbards sowie der Hauptinsel Spitzbergens, der Jagd auf Robben, Walross und Eisbär und den vielen Expeditionen in die Polarregion, die in Tromsø ihren Ausgangspunkt nahmen. Allen voran natürlich der Norwegische Nationalheld Roald Amundsen. Absolut unwirklich, dass wir morgen selbst in diese Regionen aufbrechen werden.

Noch zeigen die aktuellen Eiskarten »Very Close Drift Ice« in der Hinlopenstraße östlich Spitzbergens. Die müssen wir auf unserer geplanten Umrundung Spitzbergens passieren. Wenn´s so bleibt, wird das nicht gehen. Die MAREVIDA ist zwar eisverstärkt gebaut, aber das Risiko bei einer so dichten Bedeckung mit kräftigen Eisschollen in eine für unser Schiff und unser Leben gefährliche Eispressung zu geraten, ist zu hoch. Noch haben wir aber 10 Tage Zeit, bis wir dort sein wollen. Morgen erwartet uns erst einmal die Barentssee mit vier bis fünf Meter Wellenhöhe und zumindest nach der aktuellen, nächtlichen Wettervorhersage in den ersten 10 Stunden immer noch 40 Knoten Wind aus Ost. Nun denn …

TROMSØ, DAS TOR ZUR ARKTIS

04.- 06. JuLi 2019, Tromsø (69°39´1´´N, 018°57´41´´E)

Tromsø, das Tor zur Arktis.

Tromsø, die größte Stadt in der skandinavischen Polarregion, gilt als das »Paris des Norden«. Es liegt 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, auf demselben Breitengrad wie der Norden Alaskas. Besiedelt war es schon zur Wikingerzeit, um 1250 wurde die erste Kirche gebaut. In der Hanse-Ära boomte der Handel und Kommerz. Um 1820 entwickelte es sich zum Hafen für den Seeverkehr ins Nördliche Eismeer. Tromsø war und ist der Ausgangs- und Zielhafen für viele Generationen von Eismeerskippern. Die meisten Expeditionen ins Polarmeer nahmen hier ihren Anfang. Auch Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Carl Weyprecht, Julius Payer brachen von hier zu ihren Polarexpeditionen auf. Im Herbst diesen Jahres wird das deutsche Forschungsschiff »Polarstern« von hier aus zu seiner vielbeachteten Überwinterung im arktischen Eis starten, um eingefroren unter anderem die Eisdrift zu vermessen. Geht man durch den Ort, spürt man die Verknüpfung der Stadtgeschichte mit dem Eismeer an jeder Ecke: Polarinstitut, Polarmuseum, Eiskirche und an den Stegen sehen die Yachten deutlich anders aus, als in dänischer Südsee oder im Mittelmeer. Fast alle sind gebaut und ausgerüstet für Fahrten in den hohen Norden. Eine tolle Atmosphäre. Aufbruchs- und Expeditionsstimmung.

Tromsø, das Paris des Nordens

Die Stadt ist schön. Überschaubar zwar, aber mit ihren malerisch bunten Holzhäuser, den alten Kontorhäusern und einigen gelungenen modernen Bauten einen ausgedehnten Spaziergang wert. Ihr zweiter Beiname »Paris des Norden« entspringt aber dann doch nicht dem architektonischen Vergleich mit der Seine-Metropole. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert und beschreibt die besonders elegant, nach neuester Pariser Mode gekleideten Damen der damals weger guter Handelsbeziehungen schon reichen Stadt.

Marevida, Check für´s Eismeer

Wir liegen in dem kleinen Fischer- und Seglerhafen mitten in der Stadt. Um uns pulst tagsüber das Touristen- und nachts das Partyleben. Auf uns allerdings muss beides noch warten. Nach 1998 nautischen Meilen und 52 Reisetagen von Kappeln bis in den hohen Norden Norwegens hat sich die MAREVIDA einen gründlichen Check verdient. Wir bereiten sie und uns auf die Überquerung der berüchtigten Barentssee vor. Die Maschinen bekommen Oel- und Oelfilterwechsel, die Wellendichtungen werden nachgezogen, die Wassertanks und die Bilge gereinigt, eine defekte Lampe im Bad erneuert, der Wassermacher in Betrieb genommen, eine Wasserpumpe gangbar gemacht, das Schiff von oben bis unten gereinigt, Wetter- und Eiskarten immer und immer wieder studiert, eine neue Antenne fürs Satellitentelefon montiert, Seekarten sortiert, alle Systeme von Navigation bis Generator überprüft. Dann klettern, besser ziehen wir uns gegenseitig in die Masten: Riggcheck. Jede Schiffsbewegung – vor allem bei rauer See und starken Winden – belastet den Mast und die Drähte (Stagen), die ihn an Deck eines Schiffes aufrecht halten, deutlich. Vor allem die Befestigungspunkte der Stagen am Mast können sich lockern oder auch brechen. Fatal, sollte dies unter Segeln auf der rauen Barentssee passieren. In einem solchen Fall würde dies fast immer mit einem Mastbruch enden. Entmastet im Eismeer zu treiben ist keine angenehme Vorstellung. Also schauen wir uns jede einzelne Niete, jede Befestigung, jeden Splint genau an. Das dauert. Und bei Temperaturen um 5°C in 25 Metern Höhe über dem Hafenwasser zu pendeln, ist nicht der tollste Job. Muss aber sein. Wir finden nichts. Gut so! Die MAREVIDA ist auch in den Beschlägen (Verbindungs- und Befestigungsteile an Deck) sehr stark gebaut. Es sind lange Tage des Arbeitens. Wir fallen nachts zwischen 1:00 und 2:00 Uhr todmüde ins Bett. Draußen ist es immer noch bzw. schon wieder taghell. Mitternachtssonne. Absolut faszinierend.

LOFOTEN, SENJA & DIE VESTERÅLEN

08.-22. Juni 2019 .. / ..  39. BIS 53. Reisetag

Die spektakulärsten Inseln der Welt

Gletscherausläufer der letzten Eiszeit sowie die Naturkräfte aus Wind, Meer und Witterung haben die Landschaft der Lofoten zu den wildesten und spektakulärsten Inseln der Welt geformt. Die dramatischen Steilküsten und karibischen Strände sind atemberaubend. Im Sommer kann man hier phantastisch wandern, im Winter tanzen die Polarlichter am Himmel.

Die Lofoten und Vesterålen mit ihren steil abfallenden Felsklippen, tiefen Fjorden, mit malerischen Fischerdörfern und unberührten Stränden, an denen weißer Sand mit aquamarinfarbenem Wasser um die Wette schillert, sind zu Recht weltberühmt. Je weiter südlich man reist, desto grandioser werden die Berge (und anspruchsvoller die Wanderwege). Aufgrund des Golfstroms ist das Klima trotz der hohen Breitengrade gemäßigt, im Sommer kann es durchaus 20°C warm werden, im Winter ist es selten kälter als minus 15°C. Im Sommer sind die Inseln eines der beeindruckendsten Wandergebiete der Welt. Mit Temperaturen zwischen vier und 30 Grad ist es Anfang Juni für uns zwar nicht immer sonnig warm, aber dafür haben wir die Inseln noch ohne Wohnmobil-Karawanen, Wandergruppen und „Instagrammern“ fast für uns.

Stockfisch forever

In der Geschichte der Lofoten dreht sich alles um Fisch. Von den ersten Steinzeitkulturen vor 6000 Jahren über die Wikinger um 1.000 n. Chr. – bis heute ist der Fischfang das beherrschende Thema auf den Lofoten. Fangmethoden, Produktion und Umsatz haben sich geändert, doch Kabeljau und Stockfisch spielen noch immer eine wichtige Rolle.

Auf der Rückreise von Spitzbergen werden wir die Lofoten noch einmal anlaufen. Das Thema Fisch wird uns dann auf jeden Fall ein „behind the curtain“ wert sein.

Auf unserem jetzigen, zweiwöchigen Weg von Bodø nach Tromsø nimmt uns die Landschaft aber so gefangen, dass wir uns ganz diesem grandiosen Erleben der Natur hingeben.

Bergwandern um Mitternacht

Wir segeln oberhalb des Polarkreises, daher geht die Sonne im Sommer nicht unter und im Winter nicht auf. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli ist es hier 24 Stunden lang hell. Dafür gibt es von Ende November bis Mitte Januar die dauernde Polarnacht, in der nur zwischen 10 und 15 Uhr ein leichtes Dämmern den „Tag“ begleitet. Je weiter man nach Norden kommt, desto stärker und länger sind jeweils Mitternachtssonne bzw. Polarnacht. Im Winter hat man in der gesamten Gegend sehr gute Chancen, Polarlichter zu sehen – alles was es dazu braucht, sind klare Nächte und ausreichend Sonnen-Aktivitäten.

Wir aber genießen die Mitternachtssonne! Auf zahlreichen Wanderungen, streckenweise auf schmalsten, nicht immer einfachen Pfaden, tauchen wir in den Farbenrausch aus blauem Meer, weißem Strand, dramatischen Felshöhen und pittoresken Fischerdörfern ein. Das unglaublich stabile Wetter ermöglicht uns Gipfelwanderungen um Mitternacht und einen Fernblick mit mehr als 100 Kilometer Sichtweite. Vor dieser Intensität an körperlich anspruchsvollen Wanderungen und überwältigender Landschaft verstummt vorübergehend das „behind the curtain“. Wir lassen einfach alles ungefiltert in seiner ganzen Pracht auf uns wirken.

Und weit im Norden liegt Spitzbergen …

BERGGIGANTEN UND FALLENDES WASSER

Berggiganten und fallendes Wasser

Geiranger Fjord (62°06,18´N, 010°11,82´E)

Unser heutiges Tagesziel ist einer der berühmtesten Fjorde Norwegens, Weltnaturerbe der UNESCO: Der schmale Geiranger – ein Seitenarm des Sunnylvsfjord, der wiederum ein Arm des Storfjords ist.

Fjord bedeutet ebenso wie Förde oder das englische firth nichts anderes als Fahrwasser. Fjorde haben sich überall dort gebildet, wo während der Eiszeit Gletscher vom Gebirge hinunterdrängten und in den Gezeitenbereich des Meeres mündeten. Man findet sie ebenso zum Beispiel in Grönland, Alaska, Chile und Neuseeland.

In Norwegen schoben sich diese Eismassen dem Meer entgegen – vor allem entlang schon bestehender Flusstäler, die vom Eis durch die mitgeführten Geröllmassen zu tiefen Trogtälern ausgeschliffen wurden. Durch die nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstehenden Schmelzwassermassen stieg der Meeresspiegel und überflutete die Trogtäler. Sie wurden zu weit ins Hinterland reichenden Meeresarmen.

Auf den Seekarten zeigt sich uns ein oft nur mit Mühe zu sortierendes Gewirr dieser blauen Meeresarme, deren Fjordufer häufig zu atemraubenden, bis zu 2000 Meter hohen Gebirgsgipfeln unmittelbar aus dem Wasser ansteigen.

Frühstück vor Alpenpanorama

Als wir morgens den Anker aus dem spiegelglatten Wasser der Raudøya Bucht im Vartdalsfjord hieven, ist das metallische Klacken der Kettenglieder in der Ankerwinde eine unpassende Ruhestörung in der Stille der Bucht. Nur ein Trupp krakeelender Seeschwalben und die Möwen auf den umliegenden Schärenbuckeln sind vor uns wach. Tiefhängende Wolken, ein leichter Sprühregen und ein Horizont, der sich in dichten Dunst hüllt, lassen uns frösteln und den Tagesstart viel früher erscheinen, als er ist. Doch die ab und zu durch den Wolkenschleier durchbrechende Sonne macht Hoffnung auf einen schönen Frühsommertag. Nur Wind, den gibt es wieder nicht. Also bleiben die Segel unten. Leider! Beim Reinigen des Ankers vom Schlick des Grundes verlieren wir die Düse der Deckswaschpumpe. Ein ungeplantes „Mensch-über-Bord“ Manövertraining bringt sie schnell zurück an Bord. Schwimmfähig. Gut. Dann gibt es Frühstück vor Alpenpanorama. Es ist unglaublich tief berührend und hinterlässt uns alle immer wieder absolut sprachlos, welcher Anblick an mächtiger Natur sich uns bietet. Hinter jeder Biegung des 120 Kilometer langen Fjordsystems, das wir heute durchfahren, bietet sich eine andere Perspektive.

Klein vor großer Natur

Die Eindrücke sind absolut spektakulär. Schroff abfallende Felswände, die so steil aus dem Wasser aufsteigen, dass wir mit dem Schiff zum Greifen nah heranfahren können. Das Grau des Morgens reißt auf und macht einem blauen Himmel mit schnell ziehenden Cumuluswolken und scharfem Schattenwurf der Sonne Platz. Den ganzen Fjord entlang reihen sich schneebedeckte Gipfel von weit über 1000 Metern Höhe.

Die MAREVIDA im Geiranger Fjord Norwegen

Ein unglaublicher Wasserfall nach dem anderen. In der Sonne leuchtet der bis zu 600 Metern tiefe Fjord smaragdgrün glitzernd auf. An die steilen Hänge krallen sich vereinzelte Gehöfte, bei denen wir uns fragen, wie kommen die Besitzer in diese schwindelnden Höhen? Zum Teil sind sie auf derart steil abfallende Hänge gebaut, dass wir fürchten, nur ein Straucheln auf der Haustürtreppe bedeutet den sicheren Absturz über viele hundert Meter den Fels hinab in den Fjord. Es wird tatsächlich erzählt, dass zu früheren Zeiten die Kinder der Häuser beim Spielen und Arbeiten zu ihrer Sicherheit angeleint wurden. Beim Blick in diese schwindelnde Höhen fällt es uns leicht, dies zu glauben. Und dann die Wasserfälle. Über Hunderte von Metern in freiem Fall, über Kaskaden, mächtige, zarte, ganz schmale, ganz breite, eine riesige Felswand in Gischtschleier hüllende, Regenbogen aufwerfende, unzählige Wasserfälle. Ihr gewaltiges Rauschen füllt die Luft, ihre kräftigen Süßwasserstrudel lassen das Schiff im Fjord schlingern. Wir können uns nicht sattsehen. Es ist eine gewaltige, Ehrfurcht einflößende Natur, die sich uns bietet. Wir werden still in dieser Größe um uns. Lassen das Schiff treiben. Nehmen die Eindrücke in uns auf. Jeder für sich.

Sagenhafte Legende: Sieben Wasserfälle – weltberühmt als die sieben Schwestern – stürzen nebeneinander mehr als 250 Meter senkrecht in die Tiefe. Ein Bild für die Götter. Atemberaubend. Überirdisch schön. Betört von ihrer wilden Anmut wirbt der gegenüberliegende Freierwasserfall um die Schwestern. Er hält um ihre Hand an und möchte eine der Schönheiten zur Frau nehmen. Doch eine nach der anderen gibt dem Freier einen Korb und weist sein Werben zurück. Zutiefst unglücklich ertränkt dieser seinen Kummer im Alkohol und umspült seither als Trunkenbold den Felsen, der einer Flasche gleicht.

 

Sie ist nicht unberührt diese Natur. Die großen Kreuzfahrtschiffe, die uns von Zeit zu Zeit mit blaugrau rußender Schwerölfahne passieren, das touristisch durchorganisierte Dorf Geiranger mit Speedboot-Fahrten, Kreuzfahrer-Bus-Shuttle und Souvenir-Shops lassen sich nicht übersehen. Genau hier, am Gästesteg des Dorfes finden auch wir unseren Liegeplatz für die Nacht.

Doch selbst angesichts der hier, am Ende des Fjords deutlich touristischen Umgebung, scheint diese Natur uns vermeintlich unberührbar in ihrer übermächtigen Präsenz aus Gebirge, Meer, Wasserfällen und gleißender Sonne. Es ist für uns ein Tag der sehr starken Eindrücke. Einer Intensität die nach Stille verlangt. Er findet seinen Abschluss in einer Nachtwanderung entlang des mächtigen Geiranger Wasserfalls. Es dämmert hier im Norden von 22:00 bis 24:00 Uhr. Echte Dunkelheit gibt es nur noch von ca. 0:30 bis 2:30 Uhr.

Dieser Tag klingt lange in uns allen nach.

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Zur weiterführenden Recherche über den Schutz der Fjorde sei hier auf eine Sendung des NDR verwiesen, die am 26. Mai 2019 ausgestrahlt wurde.

Für Aufsehen sorgte auch die Entscheidung des norwegischen Parlaments demnächst Kreuzfahrtschiffe, die immer noch mit Schweröl fahren, aus den Fjorden zu verbannen. Immer mehr Elektrofähren kommen zum Einsatz wie die „Future oft the Fjords“ im weltberühmten Näroyfjord.
Werden mit Schweröl fahrende Kreuzfahrtschiffe wirklich aus Norwegens Fjorden verbannt? Moderatorin Eva Diederich meldet sich aus Oslo – der europäischen „Umwelthauptstadt 2019“.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ostsee-report/Norwegen-Vorreiter-in-der-Elektromobilitaet-auf-der-Strasse-und-zu-Wasser,sendung905574.html 

EINE SAGENHAFTE PRINZESSIN, EIN GEFÄHRLICHES KAP UND FRISCHER FISCH

Eine sagenhafte Prinzessin, ein gefährliches Kap und frischer Fisch

Måløy – Ankerbucht `Rolfsbukta´ vor RAUDØYA ( °43,08´N, 00 °17,17´E)

Unter flüchtiger Morgensonne lösen wir die Leinen und nehmen Abschied von Måløy. Dank der sehr sympathischen Begegnungen und Gespräche mit Kari und Per-Otto werden uns der gestrige Tag und diese beiden besonderen Menschen in bester Erinnerung bleiben!

Kari hatte uns gestern auch den Kontakt zu Doris vermittelt. Die Deutsche lebt seit vielen Jahren in dem kleinen Ort Selje, etwa 20km nördlich von Måløy. Ihr norwegischer Ehemann ist leider vor kurzem verstorben. Obwohl sie seitdem nicht mehr als Tourguide tätig ist, erklärt sie sich trotzdem spontan bereit, mit uns über die sagenumwobene Insel Selja zu wandern. Sie führt uns zur dortigen Klosterruine und ermöglichst uns die Begegnung mit Prinzessin Sunniva, einer außergewöhnlichen Frau irischer Abstammung, die bis heute die einzige Heilige Norwegens ist.

Wir laufen also zunächst den kleinen Fischerhafen Selje (62°02,9´N 005°19,3´E) an und nehmen Doris an Bord. Schon auf der Fahrt zum Hafen hatten wir vorsichtig ausgelotet, ob der kleine Anleger aus Bruchstein an der Ostküste der gegenüberliegenden Insel Selja für uns ohne aufzulaufen als Anleger taugt. Er taugt. So legen wir also nach kurzem „Fährdienst“ von Selje nach Selja mit Doris hier an.

Tief hängende Wolken, eine verwunschene Insel und ihre starke Frau

Die Insel Selja (62°02,7´N 005°20,4´E) liegt inmitten einer Jahrtausende alten Schifffahrtsstraße entlang der norwegischen Küste. Im Nordwesten ragt drohend das auch heute noch in der Seefahrt gefürchtete Statt ins Meer. In der windgeschützten kleinen Bucht Selja´s warteten die Schiffe früher auf gutes Wetter, bevor sie für die gefürchtete Strecke auf offener, hier selbst unter besten Bedingungen immer rauer See, um die Halbinsel Stattlandet nach Norden in See stachen. Noch im Mittelalter war Selja ein bekannter Ort, wo die Mannschaften auch auf ihren Seereisen nach Süden, nach Bergen und Oslo, oder nach Westen über die Nordsee nach Island, auf die Faröer oder nach Grönland eine Ruhepause einlegten und Kraft tankten.

Schon weit in vorchristlicher Zeit war Selja besiedelt und es wurde Landwirtschaft betrieben. Für uns kaum vorstellbar bei den moorigen Böden und den kleinen Vegetationsflächen zwischen den Schärenfelsen. Heute wird sie nur noch von einer Familie dauerhaft bewohnt.

Schon beim Betreten der Insel nimmt uns die Einsamkeit und Ruhe, die Natur mit ihrer sanft hügeligen Heidelandschaft gefangen. Vom Anleger windet sich ein schmaler ausgetretener Pfad entlang der weich gewellten Küste. Heideflächen, kleine Tümpel und Moore, saure Wiesen gesprenkelt mit den runden Buckeln größerer Schärenfelsen, ein paar Schafe. Unser Blick weitet sich über den Sund bis zum Kap Statt, das passend zu seinem Ruf durch dunkelgrau drohende Wolken am Horizont eingerahmt wird. Es ist diesig, vereinzelt fällt ganz leichter Nieselregen. Die Luft ist mild. Unsere Stimmung ist ungewohnt erwartungsvoll und gespannt. Nach einer erneuten Windung des Pfades um einen großen Felsvorsprung erhebt sich, wie aus dem Nichts, trutzig und unwirklich der Trumm der Klosterruine. Das nordisch fahle Licht dieses grauen Tages leuchtet die Ruine fast mystisch theatralisch aus. Wir rücken zusammen. Wir singen. Spontan. Keiner von uns ist regelmäßiger Kirchgänger oder eingebettet in einen strengen Glauben. Und trotzdem. Die Situation lässt uns zusammen singen. Ein zaghaft beginnendes, dann klares und fröhliches `Halleluja´. Annas wunderschöne Stimme in dieser Landschaft. Wir alle zusammen im Refrain. Schön! Für uns, hier in dieser Stimmung, richtig und gut.

Die Insel Selja, auf der Prinzessin Sunniva einst Zuflucht fand, entwickelte sich dank ihr zu einem bedeutenden Wallfahrtsort, der bis heute zu Norwegens zentralen Pilgerzielen gehört.

Wir können das gut nachempfinden.

Doris führt uns weiter in die Mauerreste der ehemaligen Klosterkirche, die nicht entweiht und noch heute für Trauungen unter freiem Himmel genutzt wird. Und sie erzählt.

Prinzessin Sunniva

Beginnen wir also die Geschichte von vorn: Prinzessin Sunniva kam im 10. Jahrhundert als Tochter eines irischen Königs auf die Welt. Ihre genauen Lebensdaten sind nicht bekannt. Überliefert ist, dass sie wohlbehütet, wohlhabend und im christlichen Glauben aufwuchs.

Die Christianisierung Britanniens und in Folge dessen der irländischen Bevölkerung begann im 4. Jahrhundert, als sich die Römer aus Britannien zurückzogen. Im Jahr 431 entsandte Papst Coelestin der Erste Bischof Palladius mit dem Auftrag nach Irland, sich um die dortigen Christen zu kümmern. Ihm folgte wahrscheinlich bereits ein Jahr später der Brite Patricius (Sohn eines römischen Offiziers, im katholischen Glauben erzogen), der bis heute als Heiliger Patrick verehrt wird.

Aber zurück zu „unserer“ Prinzessin: Der Sage nach stellte sie das Schicksal vor eine schwere Prüfung, als ihre Eltern plötzlich starben und ein heidnischer Adliger durch eine Ehe mit ihr seine Macht und sein Land erweitern wollte. Sunniva galt als sehr schön, reich und klug. Sie widersetzte sich ihm – für die damalige Zeit eine außerordentlich mutige Haltung. Und so blieb ihr und einigen Getreuen nur ein Ausweg: die Flucht! Mit drei Ruderbooten verließen sie Nordirland um, sobald sie außer Sichtweite die offene See erreicht hatten, die Ruder wegzuwerfen und sich gänzlich in Gottes Hand (und damit den Strömungen des Nordatlantikstroms) zu begeben. Von Wind und Drift getrieben und zwischenzeitlich getrennt, gelangten sie in Westnorwegen an Land, wurden verfolgt, verjagt und schließlich nach einem Sturm auf die Insel Selja gespült.
Betrachtet man auf der Landkarte die große Distanz, die sie zurücklegte, wird einem noch bewusster wie außergewöhnlich mutig diese junge Frau damals gewesen war. Sie wehrte sich gegen gesellschaftliche Konventionen des Mittelalters, die Frauen als minderwertig ansahen und wagte diese gefährliche Reise in eine vollkommen ungewisse Zukunft!

In einem Nebengedanken sei erwähnt, dass Prinzessinnen königlicher Abstammung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von der eigenen Verwandtschaft gemieden und von den Medien kritisiert wurden, wenn sie sich gesellschaftlichen Konventionen widersetzten!

Die Insel war zwar unbewohnt, doch diente sie als Weidefläche der umliegenden Festlandsbauern. So fielen die Neuankömmlinge auf, waren unerwünscht, wurden mit Gerüchten überzogen, wurden erneut verfolgt, sollten mit Gewalt vertrieben werden. Der Fürst des nahen Trondheim wurde um Hilfe gebeten und sandte Bewaffnete, um die Fremden zu vertreiben. Beim Herannahen der Boote zog sich Sunniva mit ihren Begleitern in eine Höhle oberhalb des späteren Klosters zurück und bat Gott darum, nicht in die Hände der Heiden zu fallen. Der Sage zufolge wurde die Höhle in diesem Moment durch einen Erdrutsch verschlossen. Sunniva und ihr Gefolge starben den Märtyrertod. Jahre später, so die Legende, sahen vorbeireisende Kaufleute an dieser Stelle eine Lichtsäule vor dem Fels und fanden einen menschlichen Schädel. Sie berichteten Olav Trygvasson, inzwischen König von Trondheim, davon. Der ehemalige Wikingerkönig Olav war bei einer Reise nach England zum Christentum bekehrt worden und reiste 996 mit einem englischen Bischof in Begleitung nach Selja, um den Berichten der Kaufleute nachzugehen. Bei der Höhle angekommen, ließ er den Eingang räumen, fand die Gebeine der Verschütteten und – so die Sage – den als völlig unversehrt erscheinenden und wohlduftenden Körper der Sunniva. Ihr zu Ehren ließ Olav Trygvasson am Fuße der Höhle eine erste Holzkirche mit Sunnivas Schrein erbauen, später gefolgt von der bis heute in Teilen erhaltenen Klosterkirche.

Zu dieser Zeit hatte das Christentum in Norwegen erste Wurzeln geschlagen. Olav Trygvasson, verbreitete die Geschichte um Sunniva. Die Zahl der Menschen, die sich taufen ließen, wuchs. Die kleine Insel Selja gilt als die Wiege der Christianisierung Norwegens.

Sunniva wurde um das Jahr 1000 heilig gesprochen, um den Einfluss der Katholischen Kirche in Norwegen zu stärken.
Bereits 1068 wurde Selja neben Oslo und Bergen zu einem der drei Bischofssitze Norwegens. 1100 errichteten englische Benediktiner-Mönche ein Kloster innerhalb dessen Ruinenmauern wir gerade sitzen. Später wurde Sunnivas Schrein und der Bischofssitz nach Bergen verlegt.

Sunniva ist die Schutzheilige der Stadt Bergen und für Westnorwegen. Ihr Gedenktag ist der 8. Juli und jedes Jahr findet am ersten darauf folgenden Sonntag ein Gottesdienst am Fuße der Höhle statt.

Bis heute sind Pilger davon überzeugt, dass das Wasser, welches der Quelle am Fuße des Höhlenberges entspringt, Heilkräfte besitzt. Wer davon trinkt, wird von seinen Krankheiten befreit und erlangt ewige Schönheit.

Nach dem lebendigen Vortrag von Doris klettern wir den Berg hinauf zum Höhleneingang, der einen weiten Blick über die Bucht von Stattlandet bis hinaus auf die offene See bietet. Wir schauen auf die Route, die wir im weiteren Verlauf des Tages absegeln werden. Und natürlich schöpfen auch wir mit der Hand einige Schlucke des (fast) klaren Quellwasser. Man kann ja nie wissen …

Welche Verbindung besteht zwischen dem vergangenen Geschehen der Geschichte und dem derzeitigen Leben eines Menschen? Gibt es eine geistige Einheit über die Vergänglichkeit der Zeit hinweg? Wenn ja – was bedeutet das für mich, für uns?

Beim Erwandern dieser Insel, beim gemeinsamen Singen in dieser Natur vor der dickquadrigen Klosterruine, beim Innehalten und Erspüren mit welcher inneren Kraft sich damals Menschen auf den Weg machten, um Neues zu wagen und Gott zu suchen, schrumpft für uns die Dimension der Historie und verliert seine Vergänglichkeit.

Der Umgang mit Fremden und Fremdem ist auch heute, in vermeintlich aufgeklärter Zeit, häufig nicht anders als vor 1.000 Jahren. Die dünne Schicht unserer Zivilisation bekommt nur allzu schnell tiefe Risse.

Der Mut, neue Gedanken zu formulieren und gegen den »mainstream« auszusprechen, wird auch heute häufig weder respektiert noch wertgeschätzt.

Nicht zuletzt Sunnivas unglaubliches Vertrauen in die eigene Kraft und ihr tiefer, unverbrüchlicher Glaube lässt uns auf dem Rückweg schweigsam werden.

Der immer noch grauwolkige Himmel im Kontrast zu den sanften Heidehügeln mit eingestreuten, runden Schärenfelsen und den im Wind über den Moorflächen schwingenden weißen Wollgrasblüten, verstärkt die Intensität unseres Erlebten. Jeder von uns ist still, in die eigenen Gedanken versunken. So gehen wir gemeinsam zurück zum Schiff. Ein intensiver, kraftvoller Ort.

 

„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“

Philipper 4, 13

 

Wir runden das Kap

Wir verlassen die Insel Selja, setzen Doris wieder in ihrem Heimatort Selje ab und nehmen Kurs auf Statt. Das RCC Pilot Book Norway schreibt dazu: „The Stattlandet peninsula protrudes like an angrily clenched fist, creating the west coast´s most notorious offshore passage. Statt can create its own bad weather even when conditions in the sounds to its south are gentle. It is considering so dangerous that an escort service by NRSS, the Norwegian Lifeboat Service, for small boats is provided.“

Beim Kap Statt trifft die Nordsee auf das Europäische Nordmeer. Seit Jahren wird in Norwegen darüber diskutiert, ob es Sinn macht, einen Tunnel an der schmalsten Stelle durch das Bergmassiv zu bauen. Einen Tunnel, der in seinen Dimensionen so groß sein soll, dass er auch Kreuzfahrtschiffen die Passage ohne Rücksicht auf das Wetter und damit Zeitverlust ermöglichen soll. Ist es Machbarkeitswahn oder sinnvolle Sicherheitsmaßnahme?

Wir jedenfalls runden Statt erfolgreich und ohne Schaden. Doch auch wir erleben, sobald wir auf offener See sind, wie sich trotz absolut ruhiger Bedingen im Sund südlich der Halbinsel eine kurze, steile und völlig konfuse Kreuzsee bildet.

Die MAREVIDA schlingert, hüpft und fällt in die entstehenden Wellensysteme, dass die Gischt nur so spritzt. Nicht die angenehmsten Bedingungen. Bei zweien von uns sieben werden die Nasen denn auch etwas weiß, der Blick haftet starr am Horizont – Vorboten von Seekrankheit. Doch bevor sie wirklich zuschlagen kann, schlüpfen wir wieder in den Schärengarten nördlich des Kaps. Die Schären halten die Wellen ab, die See wird platt wie ein Teich und wir laufen kurz darauf unseren Ankerplatz `Rolfsbukta´ vor der kleinen Schäreninsel RAUDØYA an. Wie immer fahren wir den Ankerplatz einmal unter Maschine ab und loten die Tiefen. Wir planen ein, wie weit unser Schiff bei einem Wechsel der Tide oder des Windes schwojen wird. Der Anker bildet die Mitte eines Kreisbogens, das ein Schiff bei entsprechenden Wind- oder Strömungsbedingungen um ihn treibt. Bei unserer Schiffsgröße und zum Beispiel 60 Meter Ankerkette kommt da schnell ein Durchmesser von 150 Metern zusammen. Da sollte keiner der umliegenden Felsbuckel, die rundherum aus dem stillen Wasser ragen, zu nahe sein. Der Ankergrund ist Schlamm auf Felsboden und hält erst im zweiten Anlauf. Dann aber beißt der schwere Manson-Anker und auch das Einfahren mit Maschine in Rückwärtsfahrt vermag ihn nicht mehr zu bewegen. So können wir nachts auch bei einem eventuellen Witterungsumschwung sicher schlafen. Trotzdem stellen wir am GPS einen Ankeralarm ein. Sollte das Schiff aller Vorsicht zum Trotz auf Drift gehen – wir würden es hören. Und natürlich gehen wir eine Ankerwache. Co-Skipper Nikolas und ich wechseln uns ab und schauen auch in der Nacht alle zwei Stunden aus dem Luk und peilen, ob der Anker unverändert hält.

Aber zunächst einmal kommen die Angeln raus. Die Stille der Bucht, die vielen Seevögel und der einsetzende Nieselregen versprechen Erfolg. Jan Hendrik trotzt dem Regen, während wir schon um den warmen Salontisch sitzen. Und tatsächlich beißen auf seinen Pilker schon nach kurzer Zeit zwei anständige Pollack/Steinköhler (Familie: Dorsch). Karsten bereitet sie für den morgigen Tag zu küchenfertigen Filets. Es wird eine friedliche Ankernacht. Die Sonne verschwindet nur noch für zwei Stunden hinter dem Horizont und wir sitzen noch lange gemeinsam im Salon und lassen die reichen Eindrücke des Tages Revue passieren.

UNTER MOTOR KURS AUF NORDWEST

Unter Motor Kurs AUF Nordwest

Stavanger (58°58,30´N, 05°43,70´E)

Die Sonne lacht. Es ist winterlich kalt. Es ist ein wunderschöner Tag! Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Schinken, Ei und Marmeladenreserven aus Hamburg werfen wir die Leinen los und tuckern langsam aus der kleinen pittoresken Hafenbucht. Kirkehamn – du bist absolut einen Besuch wert! Wir hätten es hier länger ausgehalten und bedauern immer noch, dass das Restaurant geschlossen war.

Kirche Kirkehamm im Morgenlicht

Mit einem letzten Blick auf die im strahlenden Morgenlicht die Hafeneinfahrt dominierende Kirche verlassen wir die Bucht und nehmen Kurs Nordwest nach Stavanger.

Die nächsten Tage sollen erneut eine deutliche Wetterverschlechterung mit reichlich Wind aus Nordnordwest und Regen bringen. So wollen wir das kurzfristig gute Wetter nach dem Durchzug der Front nutzen und die 80 Seemeilen bis Stavanger durchlaufen. Bei Starkwind ist dieses Seegebiet ziemlich ungemütlich. Heute aber ist der Wind mit 2 Knoten leider selbst für unsere 260 qm Segelfläche zu gering zum Segeln. Das bedeutet, wir legen die Strecke unter Motor zurück. Dafür beschert uns die sanfte Brise aber eine fast frühlingshaft milde Luft in der Sonne. Die dicken Seglerjacken dürfen einem einfachen Pullover weichen. Auch schön! Wir laufen die hier wenig gegliederte Küste entlang und freuen uns an der baulichen Vielfalt der Leuchttürme.

Helikopter kündigen die Ölhauptstadt an

Je näher wir der viertgrößten Stadt Norwegens kommen, desto häufiger fallen uns große Hubschrauber auf. Stavanger ist die Ölhauptstadt des Landes. Hier hat vor gut 40 Jahren der märchenhafte Aufstieg Norwegens begonnen: Von einem Land, das überreich an Natur und Meer ist, aber arm an Wirtschaftskraft war. Regelmäßig fliegen die wechselnden Arbeitsbesatzungen per Hubschraubershuttle von Stavanger zu den zahlreichen Ölplattformen in der nördlichen Nordsee.

Sechs Stunden später, vor dem Einlaufen in den Byfjorden, an dem die Stadt liegt, kündigen wir uns wie vorgeschrieben per Funk beim „Marine traffic center Stavanger“ an und bitten um Erlaubnis, in das Fahrwasser einlaufen zu dürfen. Wir erhalten die Freigabe problemlos und sehr freundlich. Das ist nicht selbstverständlich. Wenn die riesigen Ölplattformen aus den Werften geschleppt werden, kann die Einfahrt auch mal längere Zeit teilweise oder sogar komplett gesperrt sein. Stavanger hat mehrere Yachthäfen. Wie häufig liegen diese aber am Stadtrand bzw. auf einer benachbarten Insel. Wir aber liegen am liebsten mittendrin, im Herzen einer Stadt. Deshalb hatten wir zuvor beim Hafenamt um einen Liegeplatz gebeten. Sehr zuvorkommend und angenehm weist man uns einen Kai in Vagen zu, direkt am zentralen Fisch- und Gemüsemarkt. Wir machen längsseits fest und haben für die nächsten Tage nun unmittelbar an Steuerbord Hafenkino pur mit der Hauptpartymeile der nordischen Metropole.

Kontrastprogramm …

An Backbord auf der gegenüber liegenden Hafenpier liegt seeseitig die »MS Nieuw Statendam« der Holland Amerika Linie: 297 Meter lang, 2666 Passagiere. Dahinter – direkt am Altstadtpier – die »MSC Meraviglia«, Heimathafen in der Steueroase Valetta. Ein Kreuzfahrtgigant von 316 Metern Länge, mit 19 Decks, mehr als 4000 Passagieren sowie 1500 Crew-Mitgliedern, 12 Restaurants, 19 Bars, einer 100 Meter langen Einkaufspassage, mit bordeigenem Freizeit- und Wasserpark. Sechs Nächte pro Woche bietet das Schiff Entertainment vor 400 Gästen, z.B. Vorstellungen des Cirque du Soleil. Daneben verspricht die Webseite des Unternehmens einen Outdoor Wasserpark, der mit einem Polar Aquapark mit vier Rutschen, einem Hochseilgarten und mehreren Pools zu viel Spaß einlädt. An der Pier warten schon lange Reihen an Reisebussen, die den Passagieren für einige Stunden Norwegen zeigen werden. Danach geht´s zurück nach Kiel, eine schwefelgelbe Abgasfahne hinter sich herziehend. Reisen als Konsum aus der Retorte. Man muss es nicht mögen.

Wir sind glücklich mit der MAREVIDA reisen zu dürfen, sitzen bei Abendsonne im Cockpit und genießen das Ankommen. Immer mal wieder bleiben interessierte Passanten stehen, stellen Fragen nach dem Schiff, nach unserem Woher und Wohin. Für uns eine stets willkommene Gelegenheit, von Einheimischen etwas über die Umgebung, lohnende Ziele, Restaurants, aber auch zu profanen Dingen wie beispielsweise den nächsten Supermarkt, zu erfahren. Häufig entspannen sich daraus nette Gespräche, die auch schon mal bei uns an Bord fortgeführt werden. Und sehr oft erhalten wir wertvolle Tipps oder sogar Kontaktadressen für unsere weitere Reise.

Mitten im Leben

Es ist schon dunkel, da spricht uns von der Pier herunter ein junges Pärchen im Partnerlook freundlich an. Die Uniformen weisen sie als Vertreter des Zoll aus. Sehr höflich aber bestimmt fragen auch sie nach dem Woher und Wohin und wer alles an Bord ist. Sie möchten darüber hinaus aber auch gerne wissen, wie viele Zigaretten und Alkohol an Bord mitgeführt werden. Unsere Ausweise werden gescannt und die strengen Zollbestimmungen hinsichtlich Alkohol sind uns bekannt… (Pro Person darf man zollfrei einführen: 1 Liter Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von 22 bis 60 Prozent (z.B. Rum od. Whisky) sowie 1,5 Liter Alkoholika mit 2,5 bis 22 Prozent (Wein, etc.). Beim Bier mit einem Alkoholgehalt über 2,5 Prozent sind zwei Liter erlaubt.) Wir sind entspannt, das nette Pärchen vom Zoll bleibt es auch und wünscht uns weiterhin eine gute Reise.

Im Verlauf des Abends wird klar, wir liegen tatsächlich direkt an der Party-Meile der Stadt. Wir genießen das Schauspiel des Auftriebs und auch für uns wird es ein langer und gemütlicher Abend.

Morgen werden wir unsere Interviewreihe mit unserem ersten norwegischen Gast fortführen. Wir sind mit Gunhild, PR Managerin der Region Stavanger verabredet und hoffen, einen Einblick in ihr Leben, das der Norweger und die Veränderungen im Laufe der Zeit zu erhalten. Und natürlich werden wir sie fragen, was Glück für sie bedeutet. Wir sind gespannt und freuen uns sehr.

WIEDER HAGEL UND SCHNEE – UND JETZT AUCH WASSER IM SCHIFF

WIEDER Hagel und Schnee – und jetzt auch Wasser im Schiff

Skagen (57°43´08´´N, 010°17´´17´´E)

Mit Skagen als Tagesziel haben wir es heute am dritten Reisetag immerhin bis zum nördlichen Ende von Dänemarks Halbinsel Jütland geschafft. Bei Temperaturen von 2° Celsius, 98% Luftfeuchtigkeit mit Hagel- und kräftigen Schneeschauern lässt sich der Wonnemonat Mai bitten …

Eigentlich ist es kein schwieriges Revier. Viele Häfen bieten bei den oft rauen Bedingungen Schutz und lohnen den Besuch.

Schon allein die Insel Læsø mit ihren bei Seefahrern berüchtigten, ausgedehnten und wrackreichen Flachwassergebieten lohnt einen ganzen Urlaub. Auf den weitläufigen Stränden findet man immer ein privates Fleckchen und der Sand ist so fein, wie selten im Ostseeraum. Die weiten Strände, Sumpfseen und Marschgebiete sind Folgen eines Raubbaus. Im Laufe der Jahrhunderte verbrannten die Bewohner die dichten Kiefernwälder für die profitable Salzgewinnung durch das Verdampfen von Meerwasser. Um 1600 war alles Holz verheizt. Sandflug bedeckte das fruchtbare Land. Die Insel und ihre Bewohner verelendeten. Wie in anderen kargen Küstenregionen verdingten sich die Männer als Seeleute oder arbeiteten als Fischer, während die Frauen und Kinder mit kärglichem Ackerbau ein Überleben versuchten. Ein nicht unbeträchtliches Zubrot brachte Strandräuberei. Allein in den Jahren 1858 bis 1888 wurden 625 Strandungen verzeichnet. Aus früheren, weniger geordneten Zeiten liegen zwar keine behördlichen Aufzeichnungen vor. Es gibt aber sehr wohl glaubhafte Berichte, wie von anderen exponierten Inseln und Kaps, dass auch Überlebende einer Strandung nicht sicher sein konnten, ihr Leben und ihren Besitz zu behalten. Es war in vielerlei Hinsicht häufig ein unbarmherziges, hartes und oft auch kurzes Leben.

Doch wir wollen mit großen „Schritten“ nach Norden …

Für uns bleibt Læsø in diesem Sommer hinter dem östlichen Horizont verborgen. Wir steuern entlang der hier sehr gleichförmigen dänischen Küste hoch am Wind mit guter Fahrt bis 12 Knoten. Es weht weiterhin ein steifer Wind, das Großsegel ist gerefft, Schoner und Fock stehen voll, die übrigen Bedingungen sind reichlich unkomfortabel. Segelmanöver bei hagelglattem Deck auf einem in der kurzen Kattegatwelle tanzenden Schiff sind eine erhöhte Anforderung an unsere Umsicht und Sicherheit. Alle Bewegungen und Aktivitäten dauern sehr viel länger, kosten deutlich mehr Kraft und machen vor allem bei 2° C und steifen 5 – in Böen 7 Beaufort – wenig Spaß. Das Kochen von Tee oder einer heißen Suppe ist ein Balanceakt. Jede Utensilie – ob Löffel, Dosenöffner oder Gewürze – entwickeln bei diesen Schiffsbewegungen schon bei nur einer Sekunde Unaufmerksamkeit ein unkalkulierbares Eigenleben. Ohne permanentes Festhalten oder Einklemmen landet alles auf dem Boden, in der Spüle, dem Salonsofa oder wohin auch immer die Fliehkräfte gepaart mit Schwerkraft die Utensilien gerade katapultiert. Das gilt natürlich auch für uns selbst. Jeder Gang zum WC bedeutet, unter Deck zu gehen und sich gut zu verkeilen, dann die Schwimmwesten abzulegen und sich von diversen Schichten an Kleidung zu befreien. Und alles einhändig, denn die andere Hand braucht man ja zum Festhalten. Zwischendurch ein blauer Fleck, weil man eben doch nicht so ganz sicher verkeilt war. Dann ins WC hangeln, wo die Achterbahnfahrt durch die Wellen des Kattegats immer mal einen Vorgeschmack von Schwerelosigkeit vermittelt. Das anschließende Händewaschen erfolgt unter einem ständig die Richtung wechselnden Wasserstrahl und für den Rückweg die ganze Prozedur wieder retour.

Aber es kommt noch „besser“ …

Etwa 25 Seemeilen bevor wir Skagen erreicht haben, also etwa nach drei fünftel unserer heutigen Tagesetappe, müssen wir feststellen, dass durch die im Bug montierten Dorade-Lüfter Salzwasser im dicken Strahl eindringt. Jeder Brecher, der den Bug bis zum Deckshaus überspült, befördert auch etwa einen halben Liter Seewasser unter Deck. Diese speziellen Lüfter dienen (eigentlich) zur permanenten Ventilation des Innenraumes, auch wenn mal keine Luken geöffnet sind. Zum Beispiel weil niemand an Bord ist oder es stark regnet. Da wir seit Tagen in rauem Wetter unterwegs sind, haben wir natürlich die Lüftungshutzen abgeschraubt und deren Öffnungen verschlossen. Wie sich jetzt zeigt, arbeiten die fest in unseren werftkonstruierten Lüftern eingebauten Entwässerungsöffnungen jedoch bei starker Krängung (Schräglage des Schiffes) ganz und gar ungewollt als Bewässerungsöffnung … Ein Konstruktionsfehler. Das Resultat sind zwei pitschnasse Kojen, zwei nasse Kleiderschränke nebst Inhalt sowie nasse Teppiche und ein schwimmendes Bad. Letzteres ist bloß ärgerlich. Der Rest stellt uns vor echte Probleme. Denn der Schwall von der Decke ist Salzwasser. Wer einmal erlebt hat, wie anhaltend klamm salzwassergetränkte Kleidung ist, kann es verstehen. So laufen wir also nach 80 Seemeilen und einem langen Tag mit schnellem Segeln im einsetzenden Schneeregen in Skagen ein, legen uns ziemlich erschöpft längsseits an den Steg und verbringen den Rest des Abends mit ausgiebigem Spülen der Kleidung mit Süßwasser. Die Teppiche werden vertagt und tropfen in der Dusche erst mal ab. Doch wie den Rest nun trocknen? Draußen ist es kalt und sehr feucht. Also verwandelt sich der Schiffssalon in eine Waschküche. Entspannte gute Laune geht anders …

Aber morgen scheint bestimmt die Sonne.

SEGELN, HAGEL UND EIN LEBEN IN BOCKENDER SCHRÄGLAGE

2. Reisetag

Middelfart – Grena, DK (55°30´47´´N, 010°55´´55´´E)

Segeln, Hagel und ein Leben in bockender Schräglage

Es weht eine frische Brise, als wir heute Morgen die Köpfe aus den kuschelig warmen Kojen nach draußen ins Cockpit stecken. 5°C, 5-6 Beaufort (bft), aber immerhin kommt die Sonne ab und zu durch. Das tiefhängende Grau in Grau des gestrigen Tages ist verschwunden. Mit einem super Frühstück lassen wir den Blick über das Panorama des alten Hafens der ehemaligen Fischer- und Fährstadt Middelfart schweifen. Die große, spätromanische, rote Ziegelkirche St. Nicolaj dominiert den alten Ortskern. In den terrassierten Gärten der Häuser am Hafenhang leuchten die Frühjahrsfarben fröhlich auf, wenn die hoch aufquellenden Cumuluswolken der Sonne eine Lücke lassen. Es ist Donnerstagmorgen. Kaum jemand ist unterwegs auf der Hafenstraße. Und die Wenigen zeigen mit ihren dicken Jacken und den hochgezogenen Schultern, dass auch den Dänen die Mai-Temperaturen noch eher zu winterlich sind.

Schaumgetupfte auf See und Aprilwetter im Mai

Wir legen ab und manövrieren uns rückwärts aus dem engen Hafenbecken in den starken Querstrom des kleinen Belts. Zwischen der Insel Fünen und dem dänischen Festland verengt sich der kleine Belt zu einer in Teilen nur 0,5 Seemeilen breiten, flussartigen Landschaft. Bei entsprechenden Windrichtungen drückt hier ein Teil des gesamten Ostseewassers mit entsprechender Strömung nach Norden, oder wie heute nach Süden. Wir haben anhaltende kräftige nordwestliche Winde und damit einen entsprechenden Gegenstrom von 4,5 kn. Ein Gefühl wie Fahrradfahren bei Sturm von vorn. Unmittelbar nach dem Passieren der kleinen Beltbrücke setzen wir das gereffte Schonersegel und die Fock. Das Großsegel bleibt aufgetucht. Schoner- und Großsegel haben jeweils 90 qm Segelfläche. Unter den herrschenden Bedingungen reicht uns der gereffte Schoner mit 40 qm und die Fock mit 45 qm völlig aus, um auch im Gegenstrom noch gut voranzukommen.

Hart am Wind nach Norden

Die Wettervorhersage spricht von 6-7 bft Windstärke, zunehmend auf 8 bft aus Nordwest. Da unser Generalkurs nach Norden zeigt, bekommen wir den Wind schräg von. Wir segeln also „hart am Wind“. Bei solchen Kursen erhöht sich die tatsächliche Windgeschwindigkeit noch durch die Fahrtgeschwindigkeit zum sogenannten „scheinbaren Wind“. In unserem Fall wird also aus 25 bis 35 kn tatsächlicher Windgeschwindigkeit durch 8 bis 13 kn Fahrt ein „scheinbarer Wind“ von 30 bis 45 kn, also satten 8 bis 9 Beaufort. Für die MAREVIDA mit ihren 38 Tonnen und der gewählten Besegelung kein Problem. Mit rauschender Fahrt schiebt sie ihren scharfen Bug durch die aufgewühlte See. Die kurze harte Ostseewelle schickt ein paar steile Seen über das Vorschiff. Der Blick aus dem Deckshaus sieht manchmal grünes Wasser wie auf Unterwasserfahrt. In der aufgeworfen Bugwelle, die durch den stürmischen Wind sofort zu feiner Gischt verweht wird, bilden die Sonnenstrahlen kleine Regenbögen. Eher Wintersegeln, aber reinste Freude. Wir lassen den Velje Fjord mit seinen mächtigen, gerade frisch ergrünenden Buchenwäldern und den Horsens Fjord mit seiner großen, grauen Raffinerie an Backbord, sowie die Insel Samsø an Steuerbord. Diese sanft anmutende Insel, ihre im Sommer wogenden Kornfelder, großen Heideflächen und Moore haben wir von früheren Reisen in sehr schöner Erinnerung. Schon in der frühen Steinzeit besiedelt war Samsø auch für die Wikinger ein wichtiger Stützpunkt auf ihren Eroberungs- und Handelsrouten in den Ostseeraum. Nördlich Samsø´s verlassen wir die bisher relativ geschützten Küstengewässer und die weit ins Kattegat hineinragende Halbinsel Djursland bringt uns nochmals eine Windbeschleunigung sowie kräftigen Seegang. Der dänische Volksmund nennt sie „tropfende Nase“, wobei der Tropfen durch die südliche Halbinsel Helgenæs dargestellt wird. Die tropfenden Nasen haben wir allerdings nicht nur symbolisch. Die 5° C Außentemperatur fühlen sich hier auf dem Wasser bei Boen von 8 Beaufort wie beißende 5 Minusgrade an. Immer wieder lösen leichte Schneeschauer die anfänglich sonnigen Abschnitte ab und tun ein übriges, um uns auf den Polarkreis einzustimmen. Gerade in solchen Situationen ist es immer wieder absolut bewundernswert, wie Fischer und Seeleute früherer Jahrhunderte solche Wetterlagen trotz ihrer einfachen Bekleidung überstanden haben. Wir tragen als unterste Lage Merinowolle, als midlayer eine dick gefütterte Funktionslatzhose nebst Jacke und darüber gutes, atmungsaktives Ölzeug bzw. unsere gefütterten Überlebensanzüge. Und natürlich dicke Mützen, Merinostrümpfe und Seestiefel. So gerüstet ist uns bis auf die Nasen nicht kalt. Aber damals? Als Walfänger monatelang an der Packeisgrenze unterwegs zu sein, als Fischer in den immer rauen Gewässern des Nordens arbeiten zu müssen, war unvorstellbar hart und oft erbarmungslos. Wir „Büromenschen“ freuen uns schon nach „nur“ 90 Meilen und acht Stunden unter Segeln auf den Hafen Grena. Freuen uns auf ein Schiff ohne Bocksprünge und beschwerliche Schräglage, auf eine warme Suppe, eine gute Bordheizung und dann eine ordentliche Mütze voll Schlaf.

Die Sicht wird null und der Himmel bunt

Der Ansteuerungskurs zum Hafen liegt bereits liegt an. Wir ahnen die Stadt schon von weitem. Die Silhouette der Fabriken und hohen Schornsteinen heben sich deutlich von der hier flachen Küste ab, als eine immer dunkler werdende Wolkenwand über dem Festland aufkommt und uns sicherheitshalber die Segel schon auf See bergen lässt. Die tief dunkelgraue Wand mit einem ungewöhnlich hellgrauen Saum im unteren Viertel schiebt sich als ein undurchdringlicher Vorhang in großer Breite von ca. 20 km vor die Festlandskonturen. Und dann bricht es um uns herum los. Ein Hagelsturm. Das Unwetter nimmt uns jede Sicht. Die Hagelkörner sind in ihrer Wucht selbst durch Mütze und Kapuze sehr deutlich zu spüren. Beschleunigt durch den stürmischen Wind prasseln sie schmerzhaft, fast waagerecht in unsere Gesichter. Trotz Schutzbrille (Skibrille) ist es uns nicht mehr möglich, in Windrichtung – in diesem Fall unsere Fahrtrichtung zum Hafen – zu sehen. Wir stoppen die Maschinen. Durch den dichten Hagel ist nicht mal mehr unser Bug auszumachen, die Sichtweite beträgt keine 20 Meter. Ohne das Radarbild wären wir buchstäblich blind. Da keine anderen Schiffe in unserer Umgebung sind, warten wir den Spuk auf See ab. Nach etwa 20 Minuten ist alles vorbei. Das Deck und Cockpit aber ist mit einer 5cm dicken, rutschigen Schicht an Hagelkörner gefüllt. Was für ein Schauspiel!

Nach Durchzug der Front gibt es den krönenden Schlussakkord: ein gigantischer Regenbogen flammt durch die Abendsonne auf und zaubert über unserer Hecksee auf dem Meer einen kompletten Halbkreis. Er bleibt an den Himmel gemalt, bis wir in Grena längsseits an der Ostkaje festgemacht haben. Ein fantastischer Abschluss eines harten, nassen, kalten aber mit bis zu 13 Knoten Fahrt auch schnellen Segeltages. Wir sind müde, aber sehr zufrieden.

 

ABSCHIED UND AUFBRUCH

1. Reisetag:

Kappeln – Middelfart, Insel Fyn, DK (55°30´47´´N, 009°43´´53´´E)

Schon oft haben wir in der Vergangenheit die Leinen losgeworfen, um zu einer längeren Reise aufzubrechen. Und jedes Mal ist es begleitet von einer Gefühlsmischung aus Anspannung, Vorfreude, Sorge, Respekt und dem unglaublichen Potential von allem Unbekannten, das uns begegnen wird.

Einige uns wichtige Menschen sind zum Abschied an den Steg gekommen. Es ist 08.15 Uhr, diesig und grau, 8°C undes weht ein für Mai ungewöhnlich frischer Wind. Ein ausgiebiges Frühstück mit dampfendem Tee im warmen Esszimmer wäre auch nicht schlecht … Letzte Umarmungen, die Maschinen laufen, die letzte Leine wird losgeworfen, ein langer Gruß mit dem Schiffshorn, Abschied, und für uns der lange vorbereitete Aufbruch zum „Arctic-Circle“. Pünktlich um 08:45 öffnet für uns die Doppelklappbrücke in Kappeln und entlässt die MAREVIDA aus der Schlei in die letzten fünf Seemeilen zur Ostsee. Wir sind das einzige Schiff. Langsam gleiten wir am immer wieder schönen Hafenpanorama Kappelns vorbei und lassen die letzten Stege und kleinen Werftbetriebe an Backbord liegen. Ein einzelner Ruderzweier liegt auf unserem Kurs. Bei dieser Kälte! Ungläubig erkennen wir Hanna und Hauke, die uns später auf die Lofoten und rund Spitzbergen begleiten wollen und uns jetzt im Zweierskiff über eine Meile ein Geleit in den Reisestart geben. Auch hier wieder Grüße, Winken, gute Wünsche. Ich bin echt gerührt.

Segeln, Leben in bockender Schräglage

Vor Rabelsund setzen wir Groß-, Schonersegel und Fock und bei rauen 5 Bft. geht es in rauschender Fahrt die letzten Meilen bis Schleimünde. Wir lassen das bekannte grün-weiß gestreifte Leuchtfeuer hinter uns, binden bei inzwischen weiter auffrischendem Wind ein Reff im Grossegel und setzen den Kurs nach Norden. Der Leuchtturm blieb für uns schon oft achteraus. Für uns aber noch nie so lange, wie jetzt geplant und noch nie mit so aufregendem, respektverlangendem Ziel. Es bleibt grau, diesig und frisch. Der Wind dreht auf Nordwest und mit mächtig Lage (Schräglage eines Segelschiffes, wenn es im spitzen Winkel in die Richtung des Windes fährt) laufen wir in den kleinen Belt mit Kurs auf Middelfart. Mit 8-11 Knoten kommen wir flott voran und brauchen nur am Äro-Flach ein paar Kreuzschläge. Natürlich wissen wir, dass unterwegs sein unter Segeln, ein Leben in einer windbedingten, permanenten Schräglage bedeutet, die zudem wellenbedingt unvorhersehbare Bocksprünge macht. Kochen, Ankleiden, Toilettengänge, nur mal eben eine Kleinigkeit aus dem Schiffsinneren ins Cockpit holen, Seekartenarbeit und Logbuch führen – alles dauert sehr viel länger, wenn jeder Schritt bedacht werden muss und immer mindestens eine Hand zum Festhalten gebraucht wird. Es ist ein prima Gleichgewichts- und Muskeltraining, macht aber auch deutlich müde. Besonders zu Beginn einer Reise muss sich der Körper hieran erst gewöhnen. Und nicht alle bleiben wir heute von einer leichten Seekrankheit verschont. So ist jeder von uns froh, als wir zehn Stunden und 80 Seemeilen später in den alten Hafen in Middelfart einlaufen und um 18:20 längsseits an einem zünftig restaurierten, alten Segelarbeitsboot anlegen. Und wir sind müde! Nach nur vier Stunden Schlaf in der vergangenen Nacht, den letzten Tagen intensivster Vorbereitung und einer Witterung, die uns wohl schon auf den Sommer in der Arktis vorbereiten möchte, ist die leichte Schläfrigkeit wohl verdient. Für den ersten Tag war der Törn nicht schlecht.

Was haben Hamburger und Skandinavier, was andere auch gern hätten?

Unsere Startcrew besteht aus fünf Hamburgern. Zufall. Aber auch ein Symbol für den Anlass unserer Reise: Die Suche danach, was uns Menschen glücklich, zuversichtlich und zukunftsfroh macht, aber auch nachdenklich und sorgenvoll.

Hamburg, der Heimathafen unseres Schoners (Zweimaster) MAREVIDA, gilt nach Schleswig-Holstein als das Bundesland mit den glücklichsten Menschen Deutschlands. Um zu verstehen, warum dem so ist, lohnt sich eine Reise in diese wunderschöne Stadt am Wasser. Ein gewisser Wohlstand mag eine Rolle spielen, entscheidend ist aber sicher die Grundstimmung der Menschen: entspannt, aufgeschlossen, zuversichtlich. Hamburg ist eine Stadt mit viel Grün, viel Wasser, viel Luft in der Bebauung. Verbringt man einen lauen Sommerabend am Elbstrand, so erlebt man einen weiteren wichtigen Grund für das Glücklichsein der Menschen: den Strom, der Überseefrachter und geschützte Natur zu einen sucht, der Gedanken Raum lässt, die Seele öffnet, nicht einengt, Weite und Ferne zulässt. Eine Stadt also, in die Naturräume tief hineinreichen, die uns erden und entspannen. Selbst nach einem stressigen Tag.

Wo leben die glücklichsten Menschen der Welt? Mit unserem Ziel Norwegen und Spitzbergen steuern wir laut »World Happiness Report 2019 der Vereinten Nationen« das Land an, das auf dieser Liste Platz drei belegt. Auf Platz eins liegt Finnland, gefolgt von Dänemark. Neben Wohlstand, Bildung und stabilen sozialen Bindungen spielt auch für die Skandinavier der tiefe Bezug zur Natur eine der wichtigsten Rollen, um inneres, erfüllendes Glück zu leben.

Glück, Zufriedenheit und Zuversicht hängen scheinbar sehr deutlich von einer gesunden Natur ab.

 

behind the curtain

Fünf Tonnen Plastikmüll in der Schlei, jede Menge Verschleierung und keine Verantwortlichen!

Unsere Familie liebt die Schlei, diesen Fjord in Deutschlands Norden. Natur, Fischadler, kleine Dörfer, sanfte Hügel, blaue Ostsee. Doch auch diese vermeintliche Natur-Idylle und ihre Ruhe trügt:
Nur ein Beispiel: Mindestens seit 2015 bis 2018 wurde der Meeresarm der Ostsee mit einer unglaublichen Menge an geschreddertem Plastikmüll schwer belastet. Laut Recherchen des NDR handelte es sich um einen Umwelt-Skandal großen Ausmaßes für die Natur, ihre Tiere und für uns Menschen! In der Verantwortung sahen sich weder die Schleswiger Stadtwerke und ihre Biogasproduktion, noch die Firma ReFood, die abgelaufene Lebensmittel mitsamt ihrer Plastikverpackung geschreddert und als Bio-Abfall an die Schleswiger Stadtwerke verkauft hatten. Auf diesem Wege gelangten mehrere Tonnen feinst zermahlene Kunststoffpartikel in die Schlei, kontaminierten die Natur und gelangten darüber in die Nahrungskette von Tier und Mensch. Laut Aussage der UNB (Untere Naturschutzbehörde) handelte es sich um bis zu 5 Tonnen dieser leichtgewichtigen Teilchen!
Am 5. März 2019 berichtet der NDR, dass sich noch immer Plastik in der Schlei befände und kein Ende in Sicht sei. Dass sich das Verbrennen des kontaminierten Klärschlammes auf mehr als 2 Mio. Euro belaufen würde – und wer zahle diesen Preis? Die Schleswiger über künftige Abwassergebühren oder über ein Minus in der Stadtkasse. Weder ReFood, noch die Schleswiger Stadtwerke übernehmen die Verantwortung bzw. werden von der Umweltpolitik zur Verantwortung gezogen!

Hinter jeder Entscheidung steht ein Mensch, der sie trifft. Was wäre wohl, wenn Sie liebe Leser oder ich fünf Tonnen fein geschreddertes Plastik in die Umwelt brächten? Aber wir trennen ja den Hausmüll. Und natürlich wären für uns in Plastik verpackte Lebensmittel kein Bio-Müll…

Mir stellt sich die simple Frage: Warum ist der Handel nicht verpflichtet, an Ort und Stelle des Müllanfalls, also z.B. in jedem einzelnen Supermarkt, so zu trennen, wie wir Bürger es sind? Also Biomüll in den Biokreislauf, Plastikmüll – und Papiermüll in die jeweils getrennte Müllverwertung. Dies wäre einfach nachprüfbar und hätte vermutlich schon aus Kostengründen den Effekt, dass im Handel ein Anreiz zum Einsparen von Verpackungsmüll entstünde.

Wir alle tragen Verantwortung für die Natur, die Basis unserer Existenz ist und die es gilt, für uns und unsere nachfolgenden Generationen zu erhalten. Jeder einzelne – egal in welcher Funktion – ob als Privatperson, als Unternehmer oder als Angestellter.

Hier geht es zu den korrespondierenden Beiträgen des NDR:

UMWELTSKANDAL SCHLEI:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Wieder-Plastikpartikel-an-Schleiufer-gefunden,plastik484.html

Plastikteilchen Schlei (Fotorechte Schleswig Holstein Magazin)

Artikel aus: NDR 1 Welle Nord  I Stand: 06.11.2018 14:40 Uhr

¨Überall am Schleiufer sind sie wieder zu sehen: kleinste Plastikteilchen

UMWELTSKANDAL SCHLEI

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Plastik-in-der-Schlei-ein-Jahr-danach,plastik500.html

Artikel aus: NDR 1 Welle Nord Stand: 05.03.2019 06:00 Uhr

Kleinste Plastikteilchen in der Schlei (Fotorechte Schleswig-Holstein Magazin)