BERGGIGANTEN UND FALLENDES WASSER

 

Berggiganten und fallendes Wasser

Geiranger Fjord (62°06,18´N, 010°11,82´E)

Unser heutiges Tagesziel ist einer der berühmtesten Fjorde Norwegens, Weltnaturerbe der UNESCO: Der schmale Geiranger – ein Seitenarm des Sunnylvsfjord, der wiederum ein Arm des Storfjords ist.

Fjord bedeutet ebenso wie Förde oder das englische firth nichts anderes als Fahrwasser. Fjorde haben sich überall dort gebildet, wo während der Eiszeit Gletscher vom Gebirge hinunterdrängten und in den Gezeitenbereich des Meeres mündeten. Man findet sie ebenso zum Beispiel in Grönland, Alaska, Chile und Neuseeland.

In Norwegen schoben sich diese Eismassen dem Meer entgegen – vor allem entlang schon bestehender Flusstäler, die vom Eis durch die mitgeführten Geröllmassen zu tiefen Trogtälern ausgeschliffen wurden. Durch die nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstehenden Schmelzwassermassen stieg der Meeresspiegel und überflutete die Trogtäler. Sie wurden zu weit ins Hinterland reichenden Meeresarmen.

Auf den Seekarten zeigt sich uns ein oft nur mit Mühe zu sortierendes Gewirr dieser blauen Meeresarme, deren Fjordufer häufig zu atemraubenden, bis zu 2000 Meter hohen Gebirgsgipfeln unmittelbar aus dem Wasser ansteigen.

Frühstück vor Alpenpanorama

Als wir morgens den Anker aus dem spiegelglatten Wasser der Raudøya Bucht im Vartdalsfjord hieven, ist das metallische Klacken der Kettenglieder in der Ankerwinde eine unpassende Ruhestörung in der Stille der Bucht. Nur ein Trupp krakeelender Seeschwalben und die Möwen auf den umliegenden Schärenbuckeln sind vor uns wach. Tiefhängende Wolken, ein leichter Sprühregen und ein Horizont, der sich in dichten Dunst hüllt, lassen uns frösteln und den Tagesstart viel früher erscheinen, als er ist. Doch die ab und zu durch den Wolkenschleier durchbrechende Sonne macht Hoffnung auf einen schönen Frühsommertag. Nur Wind, den gibt es wieder nicht. Also bleiben die Segel unten. Leider! Beim Reinigen des Ankers vom Schlick des Grundes verlieren wir die Düse der Deckswaschpumpe. Ein ungeplantes „Mensch-über-Bord“ Manövertraining bringt sie schnell zurück an Bord. Schwimmfähig. Gut. Dann gibt es Frühstück vor Alpenpanorama. Es ist unglaublich tief berührend und hinterlässt uns alle immer wieder absolut sprachlos, welcher Anblick an mächtiger Natur sich uns bietet. Hinter jeder Biegung des 120 Kilometer langen Fjordsystems, das wir heute durchfahren, bietet sich eine andere Perspektive.

Klein vor großer Natur

Die Eindrücke sind absolut spektakulär. Schroff abfallende Felswände, die so steil aus dem Wasser aufsteigen, dass wir mit dem Schiff zum Greifen nah heranfahren können. Das Grau des Morgens reißt auf und macht einem blauen Himmel mit schnell ziehenden Cumuluswolken und scharfem Schattenwurf der Sonne Platz. Den ganzen Fjord entlang reihen sich schneebedeckte Gipfel von weit über 1000 Metern Höhe.

Die MAREVIDA im Geiranger Fjord Norwegen

Ein unglaublicher Wasserfall nach dem anderen. In der Sonne leuchtet der bis zu 600 Metern tiefe Fjord smaragdgrün glitzernd auf. An die steilen Hänge krallen sich vereinzelte Gehöfte, bei denen wir uns fragen, wie kommen die Besitzer in diese schwindelnden Höhen? Zum Teil sind sie auf derart steil abfallende Hänge gebaut, dass wir fürchten, nur ein Straucheln auf der Haustürtreppe bedeutet den sicheren Absturz über viele hundert Meter den Fels hinab in den Fjord. Es wird tatsächlich erzählt, dass zu früheren Zeiten die Kinder der Häuser beim Spielen und Arbeiten zu ihrer Sicherheit angeleint wurden. Beim Blick in diese schwindelnde Höhen fällt es uns leicht, dies zu glauben. Und dann die Wasserfälle. Über Hunderte von Metern in freiem Fall, über Kaskaden, mächtige, zarte, ganz schmale, ganz breite, eine riesige Felswand in Gischtschleier hüllende, Regenbogen aufwerfende, unzählige Wasserfälle. Ihr gewaltiges Rauschen füllt die Luft, ihre kräftigen Süßwasserstrudel lassen das Schiff im Fjord schlingern. Wir können uns nicht sattsehen. Es ist eine gewaltige, Ehrfurcht einflößende Natur, die sich uns bietet. Wir werden still in dieser Größe um uns. Lassen das Schiff treiben. Nehmen die Eindrücke in uns auf. Jeder für sich.

Sagenhafte Legende: Sieben Wasserfälle – weltberühmt als die sieben Schwestern – stürzen nebeneinander mehr als 250 Meter senkrecht in die Tiefe. Ein Bild für die Götter. Atemberaubend. Überirdisch schön. Betört von ihrer wilden Anmut wirbt der gegenüberliegende Freierwasserfall um die Schwestern. Er hält um ihre Hand an und möchte eine der Schönheiten zur Frau nehmen. Doch eine nach der anderen gibt dem Freier einen Korb und weist sein Werben zurück. Zutiefst unglücklich ertränkt dieser seinen Kummer im Alkohol und umspült seither als Trunkenbold den Felsen, der einer Flasche gleicht.

Sie ist nicht unberührt diese Natur. Die großen Kreuzfahrtschiffe, die uns von Zeit zu Zeit mit blaugrau rußender Schwerölfahne passieren, das touristisch durchorganisierte Dorf Geiranger mit Speedboot-Fahrten, Kreuzfahrer-Bus-Shuttle und Souvenir-Shops lassen sich nicht übersehen. Genau hier, am Gästesteg des Dorfes finden auch wir unseren Liegeplatz für die Nacht.

Doch selbst angesichts der hier, am Ende des Fjords deutlich touristischen Umgebung, scheint diese Natur uns vermeintlich unberührbar in ihrer übermächtigen Präsenz aus Gebirge, Meer, Wasserfällen und gleißender Sonne. Es ist für uns ein Tag der sehr starken Eindrücke. Einer Intensität die nach Stille verlangt. Er findet seinen Abschluss in einer Nachtwanderung entlang des mächtigen Geiranger Wasserfalls. Es dämmert hier im Norden von 22:00 bis 24:00 Uhr. Echte Dunkelheit gibt es nur noch von ca. 0:30 bis 2:30 Uhr.

Dieser Tag klingt lange in uns allen nach.

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Zur weiterführenden Recherche über den Schutz der Fjorde sei hier auf eine Sendung des NDR verwiesen, die am 26. Mai 2019 ausgestrahlt wurde.

Für Aufsehen sorgte auch die Entscheidung des norwegischen Parlaments demnächst Kreuzfahrtschiffe, die immer noch mit Schweröl fahren, aus den Fjorden zu verbannen. Immer mehr Elektrofähren kommen zum Einsatz wie die „Future oft the Fjords“ im weltberühmten Näroyfjord.
Werden mit Schweröl fahrende Kreuzfahrtschiffe wirklich aus Norwegens Fjorden verbannt? Moderatorin Eva Diederich meldet sich aus Oslo – der europäischen „Umwelthauptstadt 2019“.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ostsee-report/Norwegen-Vorreiter-in-der-Elektromobilitaet-auf-der-Strasse-und-zu-Wasser,sendung905574.html 

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